Martin Schulz will die anhaltende Migrationskrise wieder zum Thema im Wahlkampf machen. Die Union ist verärgert. Die Folge: ein Schauspiel, das an Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist. Ein Gastkommentar von Sandro Serafin

Überraschend war es allemal, dass SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor einigen Tagen in der „BILD am Sonntag“ mit Blick auf die sich zuspitzende Lage auf dem Mittelmeer von einer „hochbrisanten“ Situation sprach und damit die Flüchtlingsproblematik nach langer Zeit wieder zum Thema des Wahlkampfes machte.

Denn: Es war nicht zuletzt auch seine Partei gewesen, die das Migrationsproblem noch in den letzten Wochen – freilich aus Angst vor einem Wiedererstarken der AfD – notorisch verschwiegen hatte.

Nun wirft Schulz der Kanzlerin vor, 2015 einen Alleingang „ohne Absprache mit unseren Partnern in Europa“ gestartet zu haben. Migranten seien damals „weitgehend unkontrolliert“ nach Deutschland gekommen. Das Geschehene drohe sich nun zu wiederholen.

In der Kanzlerfraktion lässt man das nicht auf sich sitzen. Für die Union holt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zum Gegenangriff aus, wirft dem SPD-Kontrahenten Unglaubwürdigkeit vor.

„Mehr Abschiebungen, mehr sichere Herkunftsstaaten, Grenzkontrollen und Transitzonen – das alles haben SPD und Martin Schulz vehement blockiert“,

…heißt es bereits am nächsten Tag in der Passauer Neuen Presse.

Ein schlecht inszeniertes Schauspiel

Fast sieht es so aus, als wäre zwischen den Großkoalitionären ein handfester Streit um den richtigen politischen Umgang mit der Migrationsfrage entbrannt. Doch der Schein trügt. Vielmehr handelt es sich um ein schlecht inszeniertes politisches Schauspiel.

Dass ausgerechnet Schulz der Kanzlerin inzwischen indirekt vorwirft, Migranten unkontrolliert ins Land gelassen zu haben und die neue Migrationswelle aus Afrika nicht händeln zu können, ist ja schon mehr als grotesk. Schließlich ist er Vorsitzender jener Partei, die sich im September 2015 noch mit am heftigsten und völlig kritiklos an der blind-naiven, im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlosen Willkommenskultur mitberauschte.

Wenn ein aufgebrachter CSU-Generalsekretär darauf aber mit dem – durchaus richtigen – Vorwurf der Unglaubwürdigkeit antwortet, ist das schlichtweg bizarr. Immerhin war es kein geringerer als Horst Seehofer (böse Zungen sprechen auch von „Drehhofer“), der der Kanzlerin einst ein Ultimatum nach dem anderen stellte, sogar von einer „Herrschaft des Unrechts“ sprach, heute in Merkel aber plötzlich wieder den „Stabilitätsanker“ schlechthin sieht – und damit jedwede Glaubwürdigkeit endgültig verspielt hat.

Was sich Union und SPD da derzeit leisten, ist nichts anderes als der  verzweifelte Versuch, dem jeweils anderen Partner die Schuld für eine katastrophale Migrationspolitik in die Schuhe zu schieben, die beide letztlich gleichermaßen zu verantworten haben.

Leider ist zu befürchten, dass sich ein Großteil der Deutschen davon blenden lässt und am 24. September bei diesem lächerlichen Schauspiel der Grenzöffnungsapologeten mitspielen wird.

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Der Beitrag erschien zuerst hier:  KONSERVATIVE REVOLTE