Es ist Sonntag, der 24. Juli. 2017. Ein Tag mitten Wahlkampf, der für die CSU nicht ungenutzt bleiben darf. Die Partei hat keine Kosten gescheut und im Olympiapark mitten in München eine große Bühne unter einem noch größeren Festzelt aufgebaut. Doch dann bekommt Horst Seehofer unerwarteten Besuch. Ein Gastbeitrag von Jutta v. D. – IB Bayern

Das Zelt ist voll mit treuen CSU-Anhängern, die den Einmarsch Ihres Parteivorsitzenden und seines Zeichens Ministerpräsident von Bayern, Horst Seehofer, nicht verpassen wollen. Unter festlicher Blasmusik, begleitet von einem Schützentrupp in Tracht, hält Horst Seehofer in alter deutscher Manier dann am Nachmittag seinen Einzug, lässt sich von seinem Gefolge feiern und beginnt in einer vor Selbstlob triefenden Rede den sogenannten Bayernplan der CSU vorzustellen.

Seine Rede eröffnet er mit der Feststellung, dass sich im Festzelt vor Ihm die „Elite Bayerns“ versammelt habe, was eigentlich die Frage aufwerfen sollte, was denn dann Leute außerhalb des Zeltes, wie z.B. die Unmengen an Polizisten sind. Unreflektiert beginnt der CSU-Pöbel treu zu klatschen, nicht ahnend, dass Seehofers Bemerkung auf eine Handvoll Personen im Zelt zutrifft, welche, das Polizeiaufgebot nicht scheuend, Vorbereitungen für den eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung trifft.

Doch zunächst legt Seehofer dar, dass Deutschland nach 12 Jahren Merkel so gut wie noch nie dasteht.

Nur um wenige Sätze später festzustellen, dass wir einen stärkeren Staat bräuchten, dementsprechend mehr Polizisten und eine engere Zusammenarbeit von Polizei und Justiz, also defacto die Auflösung der Gewaltenteilung im Rechtsstaat Deutschland. Letzten Endes klatscht der CSU-Plebs jedes mal.

Während Seehofer den Polizeistaat ausruft, kommt es vor der Pressebox zu einer noch Hoffnung schenkenden Szene. Ein Ruf „Wer Seehofer wählt, kriegt Merkel“ zerreißt Seehofers Rede, ein Transparent mit der Aufschrift: „CSU – Merkels Knecht gegen Heimat und Recht“ wird entrollt. Die Identitäre Bewegung hat wieder zugeschlagen.

Das nun Horst Seehofer zum Ziel der Identitären geworden ist, scheint zunächst hinsichtlich der öffentlich vertretenen Werte nicht ganz einleuchtend. Doch letzten Endes kommt es auf das Verhalten Seehofers an. Und Verhalten definiert sich nun einmal durch das Tun und Unterlassen einer Person. Seehofers Politik zeichnet sich demgemäß überwiegend durch ein Unterlassen als durch ein Tun aus.

Er mag zwar medial sehr laut gegen Angela Merkel brüllen, doch wahre Taten sieht und spürt der Freistaat nicht. In München ein Löwe, in Berlin ein Kätzchen – so fühlt sich Seehofer‘sche Regentschaft an.

Es mag zwar sein, dass der Bayer sein Kreuz dieses Jahr hinter CSU setzt, doch realpolitisch wählt er sich damit Merkel.

Die Anwesenden im Zelt sind jedoch trotz dieser offenkundigen realpolitischen Gegebenheiten anderer Meinung. Sofort reißen Sie nach einer kurzen Schockstarre den beiden Aktivisten das Banner aus den Händen und warten auf einen Kommentar Seehofers, der feststellt, dass die CSU „eine tolerante Partei ist“ und den beiden Herren noch einen schönen Sonntag wünscht. Die Menge tobt. Ungeachtet der Tatsache, dass man nur etwas tolerieren muss, was man eigentlich nicht möchte, es aber dennoch hinnimmt. Wer etwas toleriert, spricht sich letzten Endes gegen eben dieses aus. Seehofer toleriert Patrioten.

Die zwei Männer haben die Aktion beendet und stehen nun exakt in der Mitte des vollen Festzeltes. Der Ausweg ist ungewiss. Dass dies so kommt, musste ihnen klar gewesen sein, als sie sich entschieden, die Aktion durchzuführen. Sie bahnen sich dennoch ruhig einen Weg durch die Meute und verschwinden in der Menge.

Obwohl sie Ihre Aktion exakt vor den Kameras der Pressebox durchgeführt haben, berichtet nur RT-Deutsch. Die öffentlichen Medien schweigen dazu. Ein gutes Zeichen?

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