Ein verstaubter Katholik wider die Gewissens-Deformation. Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

Es war schon ziemlich spät im politischen Berlin, als gestern Abend die Nachricht über den Ticker lief, dass Frau Bundeskanzlerin Merkel vorschwebe, den Fraktionszwang aufzuheben bei der Abstimmung über die so genannte „Ehe für alle“.

Viele Politiker und Medienmacher treiben sich für gewöhnlich um diese Uhrzeit in den Biergärten und Vinotheken der Hauptstadt herum, schlagen die Schlacht um das Buffet beim Edelitaliener oder gucken mal, was Ecke Potsdamer Straße/Kurfürstendamm sonst noch so geht. Deshalb war die Reaktion zunächst auch kaum verspürbar und schaut man auf die Erstfassung des heute.de-Artikels, so scheinen dem Ersteller derselben Hände und Geist vor Erregung gezittert zu haben, so schlecht war der Schreibstil – oder eben, man hatte nur die zweite Garnitur an der Tastatur, weil man um diese Uhrzeit in der Deutschland-Redaktion nichts mehr erwarte.

Schon seit knapp zwei Jahrzehnten tobt er nun, der Kampf um die Deutungshoheit so zentraler und eng mit unserem christlichen Selbstverständnis verbundenen Begriffen wie „Familie“ oder „Ehe“.

Für einen gelernten Christen ist die Familie, die Keimzelle der Gesellschaft,

… dort werden Kinder „gemacht“. Gemacht nicht nur, in dem sie gezeugt werden, sondern dort werden sie auch geformt, erzogen, dort lernen sie, was teilen bedeutet; Vertrauen, Solidarität und das geteiltes Leid nur halbes Leid ist. –

Für den eher wenig bis gar nicht praktizierenden Christen und die meisten Religionslosen ist Familie irgendwie alles.

Die sich „bewusst gegen den Erzeuger entscheidende“ Alleinerziehende ebenso wie das überdurchschnittlich gut verdienende Ingenieurspärchen, dass „den Kinderwunsch bis auf weiteres zurückstellt“, aber eben auch zwei Männer, die einen Jungen adoptieren.
Womit wir schon beim Begriff der Ehe wären. Hier tun sich in Status oder Definition bekanntlich sogar Welten auf zwischen Katholiken und Lutheranern. Diese theologischen Differenzen sollen hier allerdings nicht Thema sein.

Für einen Katholiken zumindest ist die Ehe das von Gott gestiftete und den Menschen geschenkte unzerstörbare Band und Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau.

Nichtchristen und andere wollen dies eben auch auf gleichgeschlechtliche Paare angewendet wissen und haben gar schon eine Ehe zu dritt im Kopf. Überspitzt formuliert: Das Endziel sind drei Lesben mit dem Vornamen Claudia, die sich mit ihrem Schäferhund trauen.

Nun reicht es aber nicht – wir wissen viele, besonders die so genannten oder tatsächlich konservativen Gläubigen sehen dadurch schon ihre Pflicht erfüllt – es reicht nicht, sagen wir, Sodom und Gomorrha zu rufen und den Verfall der Moral zu beklagen.

Notwendig wäre eine redundant in die Gesellschaft hineinsprechende und permanent medial präsente Gegenbewegung: eine Kirche die ihre Anhänger mobilisiert und so vielleicht auch manchen Nichtchristen sensibilisiert und zum Umdenken bewegt.

Was wir sehen, ist allerdings eine Kirche, die sich von Tag zu Tag mehr als Multiplikator des politischen Willens der jeweils in Berlin Regierenden versteht.

Erst die liberale Kirche – so will uns scheinen – verwirklicht, was Karl Marx schon vor über 150 Jahren als Vorwurf gegenüber der Religion im Allgemeinen (und doch meinte er die christliche Gesellschaft, die ihn umgab) in den Raum stellte: „Opium fürs Volk“ zu sein.

Gemeinsam mit der CDU, der einzigen Partei Deutschlands mit einem Fake-Buchstaben im Namenskürzel, sediert sie die Gewissen der Christen, die bekanntlich oft in der Bibel und in der Lehre der Kirche ganz andere Forderungen finden, ganz andere Ideale vor Augen gestellt bekommen, als sie der demokratischen Union vorschweben.

Der Klerus und professionelle Laientheologen sedieren die eigene Klientel und, was noch verheerender ist: sie löschen die kleinen Flammen des Widerstands, sei es gegen Abtreibung, gegen die Vereinnahmung der Erziehung der Kinder durch den Staat oder eben die „Ehe für alle“ aus, indem sie einen schwammingen Gewissenbegriff einführen und diesen notfalls auch über die Gebote Gottes stellen.

Manche mögen das Toleranz, Willen zur Freiheit, „offenes Ohr für die Nöte und Sorgen“, „sich den Lebenswirklichkeiten stellen“nennen: wir nennen es Verrat an unserem Herrn Jesus Christus.

IMG_9677
Der Homoverband der CDU, die LSU, jubelt über die Neuorientierung von Angela Merkel … (c) David Berger

Öffentliche Zeichen galt und gilt es zu setzen, sagen wir. Und wenn es jene nicht tun, die uns als Hirten gegeben sind, dann müssen wir es selbst tun. Einfach nur den Ist-Zustand beklagen, zu beten und auf Gottes einlenken zu hoffen… das hat in der Geschichte unserer Welt und vor allem dieses Landes immer wieder nur tiefer ins Chaos geführt.
Je schwächer der Widerstand der Christen, desto größer die Gefahr der Installierung einer Diktatur. Die „christliche Diktatur“ gibt es nicht als Regierungsform. Diktaturen mögen Gott im Munde führen hin und wieder und doch sind die Hirne der Anführer immer frei von der Gottesidee.

Dort, wo sich der Mensch an die Stelle Gottes setzt, weil er ihn negiert, weil ihm Augenhöhe nicht reicht, nur dort will er Strukturen schaffen, die sich auch über das Naturrecht erheben.

Rom, das mächtige Rom ist seinerzeit nicht zerfallen, weil seine äußeren Feinde es bedrängten, sondern weil es im Inneren in allen Bereichen der Gesellschaft dekadent und schwach wurde. Weil es alle alles sein ließ. Vielsprachig, multikulturell, multireligios. All das hält eine Gesellschaft und ein Staatengebilde über einen gewissen Zeitraum aus. Dann aber kommt der Niedergang. Rasch, aber nicht lautlos und noch weniger schmerzfrei.

WIDER DIE RÖMER, die uns ins Verderben führen wollen. –

Die Ehe für alle ist Gift für den Fortbestand jeder Gesellschaft; jegliches „Minderheiten auf Augenhöhe stellen“ ist der Tod der Majoritäten.

Denn Augenhöhe reicht ihnen nicht! Sie wollen Gesellschaft aus der Minorität verändern, nein umformen und die Umformung verfestigen.
Und so suchen sie sich willige Helfer in den Kreisen der Majoritäten. Solche, die wiederum ihrerseits die Minoritäten als willige Helfer sehen.

Die Majorität glaubt, Toleranz sei immer und überall eine Win-Win-Situation. Das aber ist sie nur seltenst.

Zumeist ist der Gewinner die Minorität; immer dort, wo es dieser gelingt, das eigene Modell der Gesellschaft überzustülpen, wo die Mehrheit von ihrem Modell Abstriche machen muss, sie aber das ihre zu 100% einbringen kann.

Und deshalb noch einmal: WIDER DIE RÖMER, wider den Senat, wider Caesar, wider die Feinde des Volkes!

***

Und für alle, die jetzt wieder fragen werden, wie ich – als homosexueller Mann – so etwas als Gastbeitrag bringen kann:

a) Ich kenne ganz ganz wenige Schwule, denen die Ehe an und für sich wichtig ist. Die Homoehe-Aktivisten machen oft kein Geheimnis daraus, dass sie die Homoehe nur als Schritt zur Abschaffung der Ehe generell sehen.

b) Nur weil ich homosexuell bin, muss ich nicht irrational argumentieren und auch nicht alles unter dem Aspekt meiner Sexualität beurteilen. Erfahrungsgemäß kann ich sogar sagen: die regenbogenfarbenen Sonnenbrillen vernebeln den Blick auf die reale Welt extrem!

c) Ist in folgendem Bild erklärt. Gerade die nun aufflammende Diskussion um die Homo-Ehe dient den Politikern nur dazu, von wirklich wichtigen Themen abzulenken. Zum Beispiel von ihrem Versagen in der Migrationspolitik bzw. im Hinblick auf die Islamisierung Deutschlands, deren primäre Opfer u.a. homosexuelle Männer sind:

Motto Islam Appeasement