Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Nach dem Anschlag in Kabul machen sich Politiker von der SPD, Linke und den Grünen stark, Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen. In der Politik, die ja Stärke und Sicherheit präsentieren soll, sieht es nach Tauziehen aus, der Eine zieht dahin, der Andere dorthin und niemand weiß so wirklich, was geschehen soll. So wirkt es für den außenstehenden Beobachter. Eine zerrüttete Regierung am Ende.

Abschiebungen generell werden von diesen Parteien immer wieder ausgesetzt, nicht nur seit dem Anschlag in Kabul, die Linke hat auch angedacht, die Familienzusammenführung über die Kernfamilie hinaus auszudehnen: Das würde bedeuten, Cousine und Cousin sowie deren Kernfamilie plus sowie darüber hinaus.

Wieviele Einwohner hat Afghanistan?

Andererseits: Am 8.6. 2017 in der ZDF Vormittagssendung „Volle Kanne“ wird über einen jungen afghanischen Mann berichtet, der sich so gut integriert hat, dass er sogar einen Ausbildungsplatz sowie viele deutsche Freunde und auch eine deutsche Familie um sich herum hatte, deutsch gelernt und in der Lage war, für entstandene Kosten später im Arbeitsleben aufzukommen in Form von Steuergeld, welches er selbst erwirtschaftet und so der Allgemeinheit zurückgeben kann. Dieser Mann wurde selbst bei einem Anschlag verletzt und hat hier ein neues Leben begonnen. 2017 wurde er abgeschoben, die Abschiebung kostete 300.000 Euro, kurz vor Beginn seines bevorstehenden Ausbildungsplatzes. Dieser junge Mann wurde jetzt beim Anschlag in Kabul erneut verletzt. Hier wurde er abgeführt wie ein Schwerstverbrecher. Von der Politik wird verlangt, daß man sich als Bürger einsetzt für Menschen, die deutsche Familie überweist jetzt Geld nach Afghanistan, da der junge Mann dort nicht allein überleben kann. Die Selbstintegration hat ihm nicht genützt.

Bei dem Anschlag in Kabul  vor der deutschen Botschaft hat sich die Anzahl der Toten auf mehr als 150 erhöht, mehr als bisher angenommen, mehr als 300 Verletzte.
Gleichzeitig betont Präsident Ghani, die Taliban werden Afghanistan nicht einnehmen. Überall wird mit Terroranschlägen gekämpft und wie wir alle wissen, häufen sich auch die Terroranschläge in Europa.

Nach Paris, Nizza, Stockholm, Berlin ereignete sich der letzte Anschlag in London. In London ist die Anzahl der Todesopfer möglicherweise auf acht angestiegen.

An die 50 Verletzte durch drei Männer, die von der Polizei noch am Tatort erschossen wurden. Die Männer stachen wahllos auf unschuldige Menschen mit Messern ein, nachdem sie den Transporter, den sie zuvor in eine Menschenmenge fuhren, verließen.
London, Paris, Stockholm, Berlin und Kabul, alles Hauptstädte, alles Städte vom Terror bedroht.

Nach den Anschlägen in Kabul werden Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt. Werden jetzt auch Flüge nach London ausgesetzt?

Es findet keine Neubewertung für Europa statt. Weder für die Sicherheitslage noch für anstehende Reisen in das nur 933 Kilometer entfernte England, in dem auch in Manchester ein paar Tage zuvor viele Tote und Verletzte zu verzeichnen sind. Es scheint so, als hätten Grüne und Linke und auch die CDU und SPD keinen Fokus auf uns.
Gehören Terrorakte inzwischen zu unserem Alltag dazu? In Europa, Jedoch in Afghanistan nicht?

DRK Sprecher Erbelding sagte, … Es gibt immer ein gewisses Risiko, wenn man mit Menschen aus Bürgerkriegsländern arbeitet.“, als am 7. Juni ein Syrer einen Berater im Therapiezentrum in Saarbrücken ersticht.

Ein gewisses Risiko für Mitarbeiter, ehrenamtliche und hauptamtliche. Was habe ich als Bürger dieses Landes für ein gewisses Risiko? wenn Menschen aus den Bürgerkriegsländern neben mir in der U-Bahn sitzen oder neben mir im Einkaufszentrum stehen oder mir auf einer Brücke begegnen oder schutzlosen Kindern oder meinen Freunden, meinen Mitbürgern? Welches gewisse Risiko meint Herr Erbelding? Gefühlt hat ein jeder mindestens ein Messer in der Tasche.
Und wie verhält sich das mit der Neubewertung der Sicherheitslage für Afghanistan? Dorthin darf nicht abgeschoben werden, nach rechtsstaatlichen Überprüfungen, jedoch London, Berlin, Paris, Nizza, Stockholm alles kein Problem?

Ich empfinde den Fokus unserer Parteien, fast ausschließlich auf Länder außerhalb der Eurozone über die Köpfe der eigenen Bevölkerung hinweg als unerträglich. Das ist nicht der Eid, den sie unterschrieben haben. Ich spüre eine gewisse Arroganz von Menschen ihren unmittelbaren Mitmenschen gegenüber, kaschiert durch ein humanistisches, soziales und tolerantes Verhalten Anderen gegenüber. Was heißt es, es für unzumutbar zu halten, dass ein Afghane in Afghanistan lebt, einem Land, in dem die ISIS Terroranschläge verübt, aber für zumutbar, dass Europäer in Europa leben, mittlerweile ebenfalls vom Terror bedroht? Sind also die Europäer weniger wert? Wenn das so wäre, wäre es eine perfide Art von Rassismus gegen das eigene Volk.

Und warum werden Menschen abgeschoben, die sich hier vorbildlich integrieren und eben kein Messer in der Tasche haben?

Das ist unbegreiflich und wirft für mich viele Fragen auf:

Ist es nicht erwünscht, dass Asylbewerber, die definitiv in das Arbeitsleben finden, etwas unserer Gesellschaft zurückgeben?
Ist es erwünscht, dass Menschen, die sich mehrere Identitäten erschlichen haben, kriminellen Aktivitäten nachgehen und wissentlich vom Staatsschutz beobachtet werden, hier weiterhin bleiben?

Wem nützt diese Vorgehensweise? Und wem schadet sie?

Alle Menschenleben sind gleich wertvoll und zu erhalten, hier, in Israel, in Afghanistan. Aber leider ist – auch aus Ländern wie Afghanistan kommend – der Terror auch zu unserem Begleiter geworden, allein darauf gestützt, unterscheidet sich die Sicherheitslage in Europa und in Afghanistan nicht.

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(c) Text: Andrea Berwing

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