Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Wenn eine Frau sich etwas Schönes kauft, so sind es meist sexy Schuhe, Kleider, ein wunderbarer Pullunder oder ein teurer Nagellack, Chanel, ein roter knalliger Lippenstift, gern darf es auch mal dezent sein.

16thc-German-woodcut-Chastity-beltDer Mythos des christlichen Ritters, der während der Kreuzzüge in das heutige osmanische Reich den Keuschheitsgürtel der geliebten Frau anlegt, um dann nach ein, zwei oder noch mehr Jahren zurückkehrend, sie aus der eisernen Kralle zu befreien, wird von Historikern angezweifelt. Medizinhistoriker gehen davon aus, daß die hygienischen Bedingungen unter und um den eisernen Gürtel herum zu schwerwiegenden Infektionen bis hin zum Tode geführt hätten. Und auch eine zum Zeitpunkt des Umlegens des Gürtels unbemerkte Schwangerschaft hätte wohl schwerwiegende Dramen ausgelöst. Vielleicht wollte man das Mittelalter einfach nur besonders düster aussehen lassen in fröhlichen späteren Zeiten.

Vielleicht wurde er auch von den Dogen Venedigs erfunden, um fällige Steuerschulden bei Prostituierten eintreiben zu können, Einfallslosigkeit jedenfalls kann man den Steuereintreibern nicht vorwerfen. Es soll ihn gegeben haben im 19. Jahrhundert, um Dienstmädchen Schutz vor Vergewaltigungen anzutragen, auch sind ähnliche eiserne Gürtel bekannt, um Kinder oder Jugendliche vom Masturbieren abzuhalten, das wurde damals als Krankheit angesehen. Exponate aus Museen haben sich allesamt als aus dem 19. Jahrhundert stammend, herausgestellt, als solche verschwanden sie später wieder aus den historischen Gebäuden.

Dann gibt es noch den so genannten Florentiner Gürtel, ein Instrument zum Teilentzug der Selbstkontrolle, er wird bei BDSM-Praktiken angewandt. Er soll den Träger / die Trägerin hindern, zu masturbieren oder Geschlechtsverkehr zu haben, als Sex-Spielzeug.
Nicht ganz so lustig, jedoch gewinnbringend, sind die Ideen von Designern und Klamottenherstellern, oder Start up Unternehmen, die den Mythos des Keuschheitsgürtels wieder aufleben lassen, jedoch nicht, um die Treue der Geliebten zu sichern und gebrochene Herzen zu vermeiden.

Ganz umgekehrt, im 21. Jahrhundert soll er dazu dienen, Frauen vor Vergewaltigungen, zu schützen.

Das hört sich so schrecklich plump an, ist aber real. Zu Kriegs- und Krisenzeiten sind schon immer neue innovative Geschäftsideen entstanden.

„Hey, stell Dir vor, was ich mir gekauft hab!“
„Erzähl!“
„Na, einen Keuschheitsgürtel, dann kann ich nicht vergewaltigt werden!“
„Oh, in pink, blau oder hellgrün?“
„Na, klassisch schwarz!“
„Gratuliere!“

Werden so die Gespräche zwischen den Frauen ablaufen, wenn sie von ihren Shoppingtouren erzählen? So ähnlich wie?

„Welchen Nagellack trägst Du heute abend zu Deinem neuen Kleid?“

Die Oberhausenerin Sandra Seilz hat Safe-Hosen entwickelt, die vor Sex-Attacken schützen sollen. Drei Mechanismen ersetzen den starken Mann oder den Schutz durch die Gesellschaft oder den Schutz durch sichere Grenzen eines Landes. Denn nur mal so nebenbei am Rande, die Zahl der Vergewaltigungen hat sich in Deutschland erhöht. Raten Sie mal, warum?

Jedenfalls, die Safe-Shorts, die modernen Keuschheitsgürtel, drücken den Wunsch nach Selbstschutz aus, so kann man es auch freundlich nennen, die Nachfrage steigt, Stoff, Alarm und Sicherung, eine GmbH setzt um.

An weiteren Modellen wird gearbeitet, das Patent ist unter Dach und Fach, der Markt vielversprechend.

Eine andere Firma hat mit Crowdfunding den Markteintritt finanziert. Natürlich scheint im ersten Moment der Reflex einzusetzen, so eine will ich auch haben, dann passiert mir das Trauma nicht. Im zweiten Moment, wenn ich so in den Zeitungen lese, wie viele der Frauen mit Messern bedroht, ja erstochen werden oder die Kehle durchgeschnitten, kommen mir Zweifel. Wo bewegen wir uns hin?

Zu der Safe Hose scheinen ein Selbstverteidigungskurs, mindestens der professionelle Umgang mit einem Messer oder der schwarze Gürtel angemessen zu sein.

Für die, die gerne verdrängen, nur zwei Beispiele von vielen: Vergewaltigung auf Volksfest in München und auf Rügen – und die Verbrechensbilanz des Monats April

Zweifeln Sie auch, ob Safe Höschen ausreichen?

Der Keuschheitsgürtel soll Keuschheit und Reinheit aus der Sicht des Mannes garantieren. Der moderne Keuschheitsgürtel ist mit diesem Sinnbild nicht gleichzusetzen. Ihn legt die Frau, wenn auch soft und anschmiegsam, an, um sich vor Gewaltverbrechen zu schützen!

Nicht die Trägerin, die den Schlüssel selbst verwahrt, will von ihren Gelüsten abgehalten werden, sondern Andere sollen am Ausleben ihres „Sexualtriebs“ auf Kosten und gegen den Willen der Trägerin abgehalten werden.

Nun, da wir schon so weit gekommen sind, dass Frauen sich freiwillig einen Keuschheitsgürtel anlegen, ist auch Zeit, über eine andere Konstruktion aus dem Bereich nachzudenken:

Den Peniskäfig.

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(c) Chastityslave22 (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons
Was halten Sie davon, liebe Grüne, Linke, SPD, CDU, CSU, FDP und AFD,

schrecken Sie nur nicht zurück.

Das was Frauen zugemutet werden kann, darf doch auch potenziellen Angrabschern, Antänzern, sexuellen Bedrängern und Vergewaltigern zugemutet werden: Auf Steuergelderkosten oder aus Ihrer eigenen Tasche?!

Der Peniskäfig, denn nur dann kann auch der herkömmliche Begriff wieder stimmen:

Es soll den Geschlechtsverkehr des Trägers verhindern, also des potentiellen Triebtäters!

Dann können sich die Frauen wieder was Schönes kaufen im 21. Jahrhundert!

Bestimmt gibt es dann auch Peniskäfige in Pink oder Grün oder Blau, etwas zum Aussuchen.

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Buchempfehlung: 

Roman der Autorin: Andrea Berwing:  „Die Wahrheit ist anders“ – C.M.Brendle Verlag

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Wer die Autorin, Andrea Berwing (Foto links), einmal persönlich kennen lernen möchte, hat am 22. Mai in Berlin die Chance dazu:

BUCHBOX!
Mo, 22.05.2017, 20:00 Uhr
Kastanienallee 97
10435 Berlin

Mehr Infos: Veranstaltungen 24