Rebell Comedy – juchhu… „Du bist mein Visum“

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Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Der neueste Hit wird geteilt unter 10 bis 14 jährigen in Schulen – yip …

„Ich lieb dich ehrlich, du bist mein Visum“ in Erinnerung an Michael Jackson, der Sänger verpackt wie er, ein Verschnitt aus „Thriller“, den Break gekupfert“. Gern möchte ich mitsingen, den Rap, die Jungs, stark und gesund, tanzen nachts auf den Straßen und begegnen „Frauke Petry“.

Coole Socken, die Jungs. Sie spielen mit dem Klischee des antanzenden, vielleicht auch vergewaltigenden Flüchtlings, doch wirkt auch in diesem „Spaßvideo“ die Szenerie gespenstisch und bedrohlich.

Jedenfalls für Frauen und Mädchen, jedenfalls für mich. Anscheinend fehlt vielen Männern und gerade Jungen,das Verständnis dafür, daß die inzwischen schwer zu verschweigenden Gefahren für Frauen und Mädchen nicht nur in diesem Land, nicht lustig sind. Sondern zum Kotzen.

Vielleicht verstehen die „Flüchtlinge“ und viele andere Männer gar nicht, daß, solange Frauen unterdrückt werden, verachtet und gedemütigt, das Leben einfach nicht schön sein kann. Zusammen lachen, sich vertrauen – Fremdwörter. Weiteres Unbehagen macht sich breit. Statt sich einzusetzen für unterdrückte Frauen, statt sich einzusetzen für die Würde einer jeden Frau, die körperlich dem Mann unterlegen ist, werden hier Klischees zum Kultstatus erhoben.

Eine Frau als Gefährtin anzusehen, dazu reicht es nicht. Nicht einmal hier, wo der erarbeitete Luxus nicht wenig von Frauenhänden geprägt ist. Dabei denke ich an die Trümmerfrauen, die nach dem Krieg Stein auf Stein gelegt haben, damit es wieder ein Dach über dem Kopf gibt.

Ich habe nur von wenigen Muslimen die Aufforderung gehört, Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben einzuräumen, die Aufforderung, in ihren Ländern und eben spätestens hier, wo das Grundgesetz das garantieren sollte. Frauen zu entlasten, für sie zu sorgen, sie zu achten und zu schätzen. Das Kopftuch und die Burka werden unter dem Motto „Religionsfreiheit“ weiter verteidigt. Um jeden Preis. Weil Ihr es so wollt. Frauen dürfen unter freiem Himmel nicht ihr Haar im Wind wehen lassen und sich Eins fühlen mit dem Universum und dadurch frei. Lieber Stress machen, Opfer werden zu Tätern. Wo ist der Retter?

Alles so lustig… ja … ja….einer rappenden Gang zu begegnen… sehr lustig…dann die Rettung für „Frauke Petry“! das Taxi… oh doch nicht…sitzen sie wieder drin.. auch da… schwarze Bärte, schwarze, lustige, Angst verhöhnende Augen – lach.

Okay, alles Comedy, alles gut (?). Vor dreißig Jahren hätte ich vielleicht mitgesungen oder doch nicht? Nicht angemacht, doch nur angeglubscht und nicht angegrabscht, achso, naja gut. Glück gehabt!

Jetzt noch eine „Comedy“, mal andersherum „Burka Blue“ am Originalschauplatz. 2002 entstanden in der staatlichen Musikschule „Institut of learning“ in Kabul! Ab in die Wüste!

Was haltet Ihr Jungs vom Comedy Club davon, für die Burka Blue Mädels zu rappen, für Ihre Freiheit, singen und tanzen zu dürfen und die Burka abzunehmen, wenn Sie es gerne wollen?

Allerdings schreibt Mario Sixtus auf Spiegel online hierzu 2003: „Der Videodreh gestaltete sich allerdings hindernisreicher als erwartet.“

War das bei Euch auch so?

„Obwohl sich mittlerweile eine gewisse Liberalität in dem Wüstenstaat ausbreitet, ist das Filmen einer Frau, die eine Burka trägt, immer noch ein absolutes gesellschaftliches Tabu

und

„Wir hatten den Proberaum abgeschlossen, um in Ruhe filmen zu können, alle drei Minuten trommelten nun aber die draußen stehenden jungen Männer gegen die Tür, da ihre Vorstellungen, was ein paar Männer mit ein paar Mädchen hinter verschlossenen Türen wohl treiben würden, doch sehr eindimensional waren“.

Und auch ein Jahr später wagten die drei Mädchen nicht, ihre Identität preiszugeben.

Musik in Kabul (Afghanistan)

Mario Sixtus schreibt:

„You give me all your love, you give me all your kisses, and then you touch my Burka and do not know who is it“

… wird in „Burka Blue“ von einer Frauenstimme radebrechend über ein holpriges Schlagzeug geabzählreimt, während ein flockiger Knurpsel-Bass eifrig hüpfend damit beschäftigt ist, das fragile Konstrukt am Auseinanderfallen zu hindern.

Das dazugehörige Video zeigt harsche Handkamera-Schwenks, enge Proberaumsituationen und triste Wüstenkulissen, angereichert mit drei Figuren, deren Körper hinter traditionellen blauen Ganzkörper-Gewändern verborgen bleiben. Die Burka, Pflicht-Uniform für Frauen zu Zeiten des afghanischen Taliban-Regimes, mutiert hier zu einer Requisite im Spiel mit Verkleidungen und Masken, das seit jeher zum Popmusik-Universum gehört.“

„Darf man das?“, fragen einige miesepetrige Multikulti-Moralisten besorgt, beschwören bereits einen Ausverkauf des Morgenlandes durch abendländischen Kulturimperialismus und rufen entsetzt „Medien-Hype“, während der Rest der Republik sich in den Szene-Discos der Metropolen mit den Burka-Beats durch das Sommerloch tanzt.“

Das ist Eure Chance, die besorgten Multikulti Moralisten sind doch auf eurer Seite, wenn es gegen „Frauke Petry“ geht und gegen die Vorurteile und gegen die Mädels hier im Lande.

Wo schon jede Mutter, die die Augen offen hat, ihre Tochter warnt. Und der Tochter Großmutter. Andere Mütter ihre Söhne und der Söhne Großväter. Lager haben gewechselt, was man dort nicht darf, darf man hier, was dort weiß ist, ist hier schwarz. Stellt Euch doch nur mal vor, deutsche Rapperjungs oder halt Ihr! würdet dort tanzen in Afghanistan, ganz allein, auf der Straße und… die Burka Frauen tanzen hier….

Echte Liebe und Visa. Romeo und Julia. Wenn ihr die Mädels den Burka Blues hier mitsingen lasst, in Eurer Band, dann sing ich mit Euch mit! Und bitte nicht Michael Jackson vergessen. Lasst uns einfach ganz lustig sein.

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Copyright Text: by Andrea Berwing –Autorin // Foto: Screenshor youtube

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