Ein Gastbeitrag von Andrea Berwing

Am 15.01.2017 spricht Karen Miosga in den Tagesthemen über Erika Steinbach: „Es gibt nicht wenige, die meinen, diese Frau sei schon lange von gestern.“ Nach mehr als 40 Jahren verlässt sie die CDU. Sie benennt das, was viele Abgeordnete im Bundestag sich nicht zu sagen trauen, obwohl es ihre Aufgabe wäre.

Erika Steinbach nennt als Grund für ihren Austritt den Rechtsbruch von Frau Merkel in der „Flüchtlingskrise“, mit dem sie Deutschland erheblichen Schaden zugefügt habe. Fake News?

Die Frau von gestern möchte sich für einen neuen Wahlkampf für die CDU nicht verbiegen. Die Frau von gestern ist nicht leichten Herzens gegangen, gibt sie glaubwürdig in mit ihr geführten Interviews wieder. Die Frau von gestern folgt ihrem Gewissen. Die Frau von gestern wirft der Bundeskanzlerin Rechtsbruch vor. In drei Fällen.

In einem Bericht der „Welt am Sonntag“ wird Frau Steinbach zitiert: „Dass monatelang Menschen unidentifiziert mit Bussen und Zügen über die Grenze geschafft wurden, war keine Ausnahme, sondern eine gewollte Maßnahme entgegen unserer gesetzlichen Regelungen und entgegen EU-Verträgen.“

Die „Frau von gestern“ –das suggeriert das Ewiggestrige, suggeriert, sie hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank. Frau Steinbach eine Rückständige, Aussätzige, für immer stigmatisiert.

Ewiggestrig ist ein politisches Schlagwort, ein abwertendes dazu: Die Ewiggestrige erkennt keinen Fortschritt an. So, wie die Nazis traditionelle Studentenverbindungen als „ewiggestrig“ bezeichneten.

Die Redaktion der Tagesthemen ist sich nicht zu schade, zu denselben stilistischen Mitteln zu greifen.

Wenn Rechtstreue ewiggestrig ist, dann ist Rechtsbruch also fortschrittlich. Wenn Heimatverbundenheit ewiggestrig ist, dann ist „Kultur“,die unsere Heimat zerstört, also fortschrittlich. Wenn das Recht auf Meinungsfreiheit ewiggestrig ist, dann ist Diktatur fortschrittlich.

Wenn das Recht auf körperliche Unversehrtheit ewiggestrig ist, dann sind also Prügel, Vergewaltigung und Brandstiftung fortschrittlich. Wenn Anstand ewiggestrig ist, dann ist also Respektlosigkeit fortschrittlich.

„Das ganz Gemeine ist’s, das ewig Gestrige,
Was immer war und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil’s heute hat gegolten!“

Friedrich von Schiller: Wallensteins Tod

Ist also der Werteverlust, den wir erleiden, fortschrittlich?

***

Text: © Andrea Berwing, Autorin. Kürzlich erschienener Roman: “Die Wahrheit ist anders” (C.M.Brendle Verlag)

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Foto: (c) Screenshot youtube

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O.L.I.T.A
Gast
O.L.I.T.A

Offenbar meint man mit „ewiggestrig“ Verfassungs-/Grundrechtstreue. In diesem Sinne sei aber jeder „ewiggestrig“ Handelnde zu unterstützen. (Im Gegensatz zum Blender, der lautstark Verfassungskonformität beteuert, (post)faktisch aber jegliche rechtsstaatlich-demokratischen Grundlagen vernichtet.) Denn Deutschlands -auf christlichem Menschenbild basierende- Grundgesetz ist mE das beste/menschenwürdigste, das je geschaffen wurde – und daher erhaltenswert.
Es geht ja -ausdrücklich- nicht gegen Asyl/Flüchtlinge oder gar Hilfe, sondern (böswillige) Missachtung der weise dafür vorgesehenen GG-Richtlinien/Rahmenbedingungen. Wer sich nicht für Vernunft/Recht einsetzt, sondern Staatswillkür boshaft/trottelig als „gut“ segnet, hat tatsächlich (möglicherweise bald) nicht mehr alle Tassen im Schrank…

Toni Keller
Gast
Toni Keller

Ich finde die Kritik Frau Steinbachs an der Bundeskanzlerin richtig und empfinde es als ungemein verstörend und erschreckend, dass der Rest der CDU das alles gut und richtig zu finden scheint. Nun aber das aber, in einem ganz gewissen Sinn erntet Frau Steinbach das, was ihre Vertriebenenverbände jahrelang gesäät haben. Erstens: aus diversen Gründen habe ich viele Jahren in sehr engem Kontakt Heimatvertriebenen, aus unterschiedlichen Regionen gelebt. Allen war gemeinsam, das was ihnen die BRD zu bieten hatte, war nie recht, weil „die Heimat, die Heimat“. Bezeichnenderweise hörte das Lamento wegen der Heimat, genau in dem Moment auf, als der… Mehr lesen »

Didi
Gast
Didi

Diese Moderatorin Mimosa macht eben nur, was ihre Vorgesetzten mit Parteibuch ihr vorschreiben. Ist sie doch ein gebranntes Kind wie alle in den Öffentlich-„rechtlichen“ sendern, siehe Eva Herman! Wer nicht spurt, der fliegt.

gebenhoeh
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gebenhoeh

„Die Ewiggestrigen“, eine Totschlagformel der „Modernen“.
Das Zitat von Schiller möchte ich ergänzen mit Davila: „Der Hass auf die Vergagngenheit ist eindeutiges Symptom einer Gesellschaft, die verpöbelt.“
„Auch die Verwesung ist ein Wandel.“
Wer möchte sich icht der Verwesung entziehen.

Old-Man
Gast
Old-Man

Hallo Frau Berwing, sie haben mit allem was Sie sagen vollkommen Recht. Erika Steinbach ist eine vollkommen integere Frau,sie hat es überhaupt nicht nötig sich von drittklassigen „Journalisten??“verhöhnen zu lassen! Erst heute Mittag machten sich zwei dieser Pfeiffen bei N24 über eine Wachsfigur von Trump lustig,der Kopf wäre wohl zu klein ,aber bei wenig Hirn ginge das. Dieser Wahnwitz ist mittlerweile zur Methode der „sogenannten Journalisten“nicht nur im öR-Fernsehen geworden. Man braucht sich nur ansehen wem das Private Nachrichtensystem gehört,dann weiß man Bescheid was man zu erwarten hat. Das öffentlich Rechtliche wird nach Parteiproporz besetzt und geführt,weit weg der Realität… Mehr lesen »

twsan
Gast
twsan

Na ja – wer hätte denn vom ÖR anderes erwartet – speziell von den Nachrichtensendungen und deren Umfeld.
Es gibt Ausnahmen – aber die muss man mit der Lupe suchen und scheinen lediglich Alibifunktion zu haben…

Thomas Kovacs
Gast

die Frage ist
erleiden wir einen Werteverlust oder müssen sich die Werte im Pluralismus behaupten ? Sind es wirklich „Werte“ wenn sie nicht von einer breiten Mehrheit mitgetragen werden
man kann nicht für Werte das selbe voraussetzen wie es Religionen für ihre Lehren gegenüber ihren Mitgliedern tun

Lotosritter
Gast

Ich fand die Anmoderation von Miosga, die ich zufällig sah, als peinlich und journalistisch unqualifiziert, aber das ist ja für den ÖR banal. Steinbach war im übrigen gar nicht so gestrig. Speziell in Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs war sie ein engagierte Mitstreiterin der Opfer. Hoffentlich bleibt uns ihre Stimme weiterhin erhalten.