Ein Gastkommentar von Jürgen Fritz

Die Rede des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke am 17.01.2017 in Dresden hat einigen Wirbel ausgelöst. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner, einer der unsympathischsten Oberhetzer der Nation, forderte auf Twitter: „Null Einfluss für das Neonazipack!“. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann, beschimpfte Björn Höcke ebenfalls als Nazi.

Diether Dehm von den LINKEN, ein ehemaliger inoffizieller Mitarbeiter (Spitzel) der STASI, der den früheren RAF-Terroristen und mehrfachen Mörder Christian Klar in seinem Büro im Bundestag beschäftigt, will eigenen Angaben zufolge bereits eine Strafanzeige gegen Höcke wegen Volksverhetzung gestellt haben. Und der Chefechauffierer der „Süddeutschen Zeitung“ Heribert Prantl sprach von „brauner Brühe in ihrer finstersten Art“. Die Masche ist immer die gleiche.

Wie Hyänen, die Beute wittern, wollen sich einige diese Gelegenheit offensichtlich nicht entgehen lassen und versuchen wieder einmal, eine öffentliche Hexenjagd zu inszenieren.

Aber auch Marcus Pretzell, der AfD-Landesvorsitzende Nordrhein-Westfalen und Ehegatte der Bundesvorsitzenden Frauke Petry, distanzierte sich scharf. Dabei sagte Höcke zum Teil zumindest kaum anderes als früher schon Martin Walser und Rudolf Augstein. Ganz unberechtigt mag die Kritik an Höcke sicherlich nicht sein, aber es stellt sich die Frage, ob hier nicht wieder einmal maßlos übertrieben wird.

Umgekehrt ist es zumindest fraglich, ob es klug ist von Höcke, solche Steilvorlagen zu geben. Nun könnte es wieder zu Richtungsstreitigkeiten innerhalb der AfD kommen. Auch das ist nicht gut und schadet der Sache. Doch kommen wir zum Inhalt der Rede.

Wenn jemand sagt, Deutschland habe ein Denkmal der Schande errichtet, dann ist das eine völlig andere Aussage als wenn er sagt, es sei ein Schande, dass dieses Denkmal errichtet wurde. Diesen Unterschied werden viele nicht verstehen, weil dies ihr Sprachgefühl und ihr geistiges Differenzierungsvermögen übersteigt. Andere werden es gezielt nicht verstehen wollen, obschon sie intellektuell dazu in der Lage wären.

Das Eine ist eine Beschreibung, eine deskriptive Aussage, die sich auf das Denkmal selbst bezieht. Eine Aussage, die in dem Fall auch wahr sein dürfte, da dieses Denkmal an die Verbrechen erinnert, die von Deutschen begangen wurden, was beschämend ist. Das zweite ist eine Bewertung, eine normativ-wertende Aussage, die sich nicht auf das Sein des Denkmals bezieht, sondern auf die Errichtung dessen, also auf die Handlung und die Entscheidung, so ein Denkmal mitten in Berlin haben zu wollen.

Höcke sagte nicht, es sei eine Schande, dass dieses Mahnmal errichtet wurde, sondern er sagte: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ – Das Denkmal erinnert also an Schandtaten. Dies ist meines Wissens eine wahre Aussage, also eine korrekte Beschreibung der Wirklichkeit. Und dies heißt nicht, dass die Errichtung des Denkmals selbst eine Schandtat darstellt, wie es z.B. der Focus fälschlich berichtet.

Offensichtlich ist in Höckes Worten aber eine Kritik enthalten, dergestalt dass er meint, das Vorhandensein des Denkmals mitten in unserer Hauptstadt würde dem Selbstwertgefühl der deutschen Nation schaden. Auch damit dürfte er zweifelsfrei Recht haben. Die von mir kürzlich beschriebene Psychopathologie der grün-linken Gutmenschen dürfte durch solche Dinge wie das Holocaust-Mahnmal in der Tat zusätzlich verstärkt werden. Insofern könnte man diesen Punkt als Anregung zur Diskussion ansehen. Genau das geschieht natürlich nicht. Stattdessen wird von geistig etwas schlichteren Gemütern, den psychisch gestörten Gutmenschen (gestörte Ich-Bildung) und den sonstigen politischen Gegnern auf den, der dazu anregt, eingedroschen.

Dies stellt einen weiteren Beleg für die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten verloren gegangene Diskussionskultur dar, was wiederum mit der grün-linken Psychopathologie zusammenhängt. Zu sachlichen Diskussionen sind die davon Betroffenen, diese pawlowisierten Reiz-Reaktions-Automaten, kaum noch fähig.

Das Ganze zeigt einmal mehr, wie die psychisch Gestörten und die Dummdreisten unsere Gesellschaft zunehmend dominieren und ihre über Jahrzehnte aufgebaute Machtposition mit Zähnen und Krallen zu verteidigen versuchen, indem sie alle Sachdiskussionen im Keime ersticken wollen.

Ähnliches wie Björn Höcke hatte Martin Walser, laut CICERO der Intellektuelle Nr. 1 in Deutschland, bereits 1998 bei der Verleihung des „Friedenspreises des Deutschen Buchhandels“ in seiner Dankesrede formuliert:

In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.“

Auschwitz dürfe nicht zur „Moralkeule“ verkommen. Martin Walser sprach sich gegen die „Instrumentalisierung des Holocausts“ aus. Die „Dauerpräsentation unserer Schande“ werde dazu instrumentalisiert, den Deutschen wehzutun oder gar politische Forderungen daraus abzuleiten.

Aber auch Spiegel-Gründer und – Herausgeber Rudolf Augstein formulierte 1998 ganz Ähnliches: „Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist.“

Ich persönlich halte ein Holocaust-Mahnmal grundsätzlich für richtig und wichtig – dies sind wir den Millionen Opfern schuldig, die niemals vergessen werden dürfen -, sehe aber die Problematik, dass dieses finsterste Kapitel der deutschen Geschichte zu viel Raum einnimmt in unserem Geschichtsbewusstsein, dass es gar im Zentrum desselben steht, was einer Identitätsbildung nicht dienlich ist.

Die rechte Balance aus einerseits nicht vergessen, sich immer wieder erinnern an das, was war, auch das Schreckliche, sich aber andererseits davon nicht völlig beherrschen zu lassen und die tausendjährige deutsche Geschichte nicht auf diese zwölf Jahre zu reduzieren, bekommen wir Deutsche mehrheitlich und gesamtgesellschaftlich offensichtlich nicht gut hin. Das scheint mir eine Aufgabe für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu sein, hier den richtigen Mittelweg zu finden.

Dazu könnte Höcke quasi als Antithese durchaus Anstöße geben. Man muss seine Position nicht teilen. Dies tue ich auch nicht. Man muss den Mann, seine Art zu sprechen, sein Gehabe und seinen Diktus auch nicht sympathisch finden. Man sollte sich aber ein klein wenig um Fairness bemühen. Man könnte seine Thesen und Forderungen als Anstoß zur Reflexion, Diskussion und zu einer Neuausrichtung ansehen. Man könnte z.B. überlegen, ob man nicht weitere Denkmale oder anderes errichtet, was positiv besetzt respektive positiv konnotiert ist, um die richtige Balance zu finden.

Vor allen Dingen aber müssen wir unbedingt den Geschichtsunterricht ausbauen und ergänzen

a) um viel mehr positive Leistungen der Europäer und der Deutschen, insbesondere deren einzigartigen, alles überragenden Kulturleistungen in Philosophie, Wissenschaften, Erfindungen, Entdeckungen, Musik, Kunst etc. (in diesem Punkt hat Höcke völlig Recht) und ich ergänze

b) um die finsteren Kapitel der Geschichte anderer, insbesondere der islamischen Geschichte, die damit voll ist von der ersten Stunde an bis heute, die aber auch bei uns systematisch verschwiegen werden (Stichworte: die größten Sklavenhaltergesellschaften aller Zeiten, die Erfindung des Hautfarbenrassismus, die menschliche Ausbeutung des afrikanischen Kontinents über mehr als tausend Jahre, Genozide unvorstellbaren Ausmaßes).

Alles Negative zu verdrängen – was übrigens außer den Deutschen sehr viele tun, siehe z.B. Japan, ganz besonders aber der gesamte islamische Kulturkreis mit 1,6 Milliarden Menschen, dort werden alle eigenen Verbrechen systematisch geleugnet -, erscheint mir genauso krank zu sein wie alles Positive zu verdrängen. Beides ist auf jeden Fall nicht gesund.

Und Kritik, das vergessen viele immer, bedeutet nicht alles schlecht reden, sondern die Kunst der Unterscheidung, was war gut, was war schlecht. Das setzt Ehrlichkeit sowohl dem anderen als auch sich selbst gegenüber voraus und ist zugleich die beste Basis, um aus dem Vergangenen für die Zukunft zu lernen.

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Foto: von Alexander Dalbert (Fotograf) (Björn Höcke (Dargestellter)) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABj%C3%B6rn_H%C3%B6cke.jpg