Ein Gastbeitrag von Lennart Kaworski

Den Lesern von „philosophia perennis“ ist es bestimmt schon aufgefallen. Irgendwie berichten alle Medien fast dasselbe. Egal welche Zeitung man auch aufschlägt, große Unterschiede scheint es nicht zu geben. Dafür hat sich der Begriff „Lügenpresse“ herausgebildet, den ich in vorherigen Beiträgen auf diesem Blog auch gut begründet habe. Tatsächlich aber ist der Begriff „Systempresse“ weit treffender.

Klar, der Begriff „Systempresse“ ist genauso böse und nazi wie der Begriff „Lügenpresse“, schließlich wurde er in der Weimarer Republik von der NSDAP verwendet, um die Presselandschaft zu charakterisieren. (Wie sinnvoll das war, wenn Hitlers Steigbügelhalter Alfred Hugenberg fast die Hälfte der damaligen Medien kontrollierte, sei einmal dahingestellt.) Nun ist es aber so, dass der Nazivorwurf kein Argument darstellt. Eine Behauptung ist entweder richtig oder falsch. Entweder hat man Argumente oder man hat sie nicht. Ich habe sie. Anbei also die Erklärung, warum die Medien in Deutschland tatsächlich eine Systempresse, oder vielmehr ein „System Presse“ darstellen.

Bekanntermaßen ist die Presse links, oder doch zumindest grün. Das zeigen Untersuchungen immer wieder mit schöner Deutlichkeit.

In einer Umfrage gaben 27% der Journalisten an, den Grünen nahe zu stehen – das ist deutlich mehr als in der Bevölkerung. Allerdings wollten 36% der Journalisten sich zu keiner Partei bekennen. (Sie sind aber vermutlich dennoch eher links.) Lässt man diese große Gruppe weg, sehen die Zahlen auf einmal ganz anders aus. Dann kommen die Grünen auf 42%, die SPD auf 24%, die CDU auf 14%, die FDP auf 12%, die Linke auf 7%. Das R2G-Lager hat also satte 73%. Die Umfrage wurde noch vor dem Aufstieg der AfD durchgeführt – dass diese in den großen Medien keine Freunde hat, weiß man aber auch ohne präzise Ergebnisse.

Die SPD ist allerdings leicht stärker als sich aus diesem Umfrageergebnis ableiten lässt, denn sie besitzt die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, womit sie Anteile an mehreren Regionalzeitungen und an der Frankfurter Rundschau hält. Lustiges Detail am Rande: die DDVG besitzt auch Anteile an der Madsack-Gruppe, zu der die Märkische Allgemeine gehört, deren Herausgeber der heutige AfD-Vize Alexander Gauland war.

Das Sturmgeschütz der Demokratie, DER SPIEGEL, ist stolz darauf, dass er gewissermaßen sich selbst gehört, bzw. seinem Personal, das sich in der Mitarbeiter KG organisiert hat. Diese besitzt allerdings nur die Hälfte der SPIEGEL-Anteile. Ein Viertel gehört dem Verlagshaus Gruner + Jahr, das zum Beispiel den Stern oder Spartenmagazine, wie die Brigitte, Gala, Eltern oder P.M. herausgibt. Gruner + Jahr wiederum gehört zu 100% dem Bertelsmann-Konzern, der seinerseits 75% der Anteile an RTL (und damit auch an RTL II, VOX und n-tv) hält und auch Bücher und CDs vertreibt.

Das letzte Viertel der SPIEGEL-Anteile hält die Familie Augstein, womit es richtig spannend wird.

Die große Verlegerdynastie gäbe viel Stoff für eine Seifenoper her. Maria Sabine Augstein wurde als Junge geboren, ließ sich in den 70ern aber zur Frau operieren. Sie war eine treibende Kraft hinter der Einführung der Homoehe in Deutschland 2001. Der linke Jakob Augstein ist zwar der alleinvertretungsberechtigte Dauertestamentsvollstrecker Rudolf Augsteins, sein biologischer Vater ist jedoch Martin Walser, der geheimhin als rechts gilt. Zwar gibt Jakob sich als Bolschewist, sein Kontostand sieht ehernach Kapitalismus aus. Die Gewinne, die seine SPIEGEL-Beteiligung abwirft, nutzt er, um die defizitäre marxistische Wochenzeitung Der Freitag zu finanzieren. Andererseits war er es, der den stellvertretenden Bild-Chef Nikolaus Blome zum stellvertretenden SPIEGEL-Chef Nikolaus Blome machte. Beide hatten sich zuvor regelmäßig Wortgefechte beim öffentlich-rechtlichen Sender phoenix geliefert. Jakob Augstein arbeitete zuvor für die Süddeutsche und die ZEIT. Franziska Augstein ist ebenfalls Journalistin. Sie studierte (hört, hört!) unter anderem beim rechten Historiker Ernst Nolte. Danach schrieb sie zuerst für die Zeit, dann für die FAZ, mittlerweile ist sie bei der Süddeutschen angekommen. Sie ist mit dem dortigen Ressortleiter Heribert Prantl verheiratet.

Auch der Blick auf die SPIEGEL-Chefredakteure der letzten Jahre ist erhellend.

Stefan Aust arbeitete mehrere Jahre für das NDR-Magazin panorama, dann begann sein Aufstieg beim SPIEGEL, bis er als Chefredakteur zur Welt wechselte. Außerdem arbeitete er für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung sowie die ZEIT und hält aktuell Anteile am Nachrichtensender N24. Mathias Müller von Blumencron wechselte zur FAZ, wo er für digitale Medien zuständig ist. Georg Mascolo arbeitete zuerst für den Radiosender ffn. Heute koordiniert er den gemeinsamen Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher. Seine Ehefrau Katja Gloger arbeitet für den stern. Wolfgang Büchner fing bei der Bild an, wechselte dann zu Associated Press und Reuters, um Chef der dpa zu werden. Nach seinem Ausstieg beim SPIEGEL wechselte er zum Schweizer Medien-Konzern Ringier. Künftig wird Büchner für die Mediengruppe Madsack arbeiten.

Auch unterhalb des Chefsessels setzt sich dieses Muster fort. Bekanntermaßen residiert die ZEIT im Hamburger Pressehaus. Und von welchem Magazin hatte die sie das Gebäude übernommen? Richtig! Vom Spiegel. (Erbaut wurde das Gebäude unter den Nazis, die dort ihre Zeitung Hamburger Tageblatt produzierten.) Hamburg ist eine schöne Stadt. Vom Pressehaus läuft man an der Lokalredaktion der FAZ und dem Sitz des ZDF-Landesstudios vorbei zum Sitz des SPIEGEL an der Ericusspitze. Dauert nur ein paar Minuten. Ein Gang der Elbe entlang lohnt sich auf jeden Fall. Man schlendert durch die Speicherstadt und steht nur eine halbe Stunde später vor der Konzernzentrale von Gruner + Jahr.

Dass diese Wege kurz sind, lässt sich schnell erkennen, wenn man sich die Biographien ausgewählter Journalisten anschaut. Margarete Stokowski fing bei der taz an, kam dann zur ZEIT und ist heute beim SPIEGEL gelandet, wo sie uns mit gender studies zwangsbeglückt. Yassin Musharbash, Sohn des SPD-Landtagsabgeordneten Nazih Musharbash, informierte beim SPIEGEL sehr präzise über al-Qaida und schreibt heute für die ZEIT. Peter Maxwill ist neu beim SPIEGEL. Erfahrungen sammelte er unter anderem beim WDR und der FAZ. Christian Buß schrieb für die Hamburger Morgenpost und die taz, bevor er beim SPIEGEL landete. Sein dortiger Kollege Georg Diez arbeitete zuvor für die FAZ, die Süddeutsche und die ZEIT. SPIEGEL-Mann Nils Minkmar durchlief alle Stationen vom ZDF, Süddeutsche, ZEIT und FAZ. Um dem Auflagenschwund entgegenzutreten hat der SPIEGEL das Onlineformat Bento ins Leben gerufen, dass junge Leser (vor allem mit Sex-Geschichten) ködern soll.

Islamversteher vom Dienst ist bei Bento Fabian Köhler. Der war zuvor als Islamversteher vom Dienst beim Neuen Deutschland, also der offiziellen SED-Zeitung, angestellt.

Die Vorzeigemigranten des deutschen Journalismus, Özlem Gezer, Mely Kiyak und Deniz Yücel haben ebenfalls einen Schlenker durch die gesamte Presselandschaft gemacht.

Joachim Fest war als Konservativer jahrelang Herausgeber der FAZ. Sein Sohn Nicolaus Fest arbeitete für Gruner + Jahr und stieg bis zum Vize der Bild am Sonntag auf, wurde allerdings wegen seiner Haltung zum Islam weggemobbt. Hugo Müller-Vogg gelang der nahtlose Wechsel von der FAZ zur Bild.

Der konservative Part droht der FAZ droht allerdings wegzubrechen. So durfte dort auch die Feministin Hengameh Yaghoobifarah bloggen, die zuvor für die taz schrieb und heute bei Bento zu finden ist.

Der Weg von den Medien in die Politik ist nicht weit. Merkels aktueller Regierungssprecher Steffen Seibert war zuvor mehrere Jahre lang beim ZDF beschäftigt. Reinhard Grindel fing bei Sat1 an, wechselte zum ZDF und gehörte dann für 14 Jahre lang als CDU-Abgeordneter dem Bundestag an. Susanne Gaschke wechselte von der ZEIT als Bürgermeisterin ins Kieler Rathaus. Auch ihr Mann Hans-Peter Bartels war Journalist bevor er der Redenschreiber Björn Engholms wurde. Heute ist er der Wehrbeauftragte des Bundestages Altkanzler Helmut Schmidt war bekanntermaßen jahrelang einer der Herausgeber der ZEIT. Co-Herausgeber Michael Naumann wollte für die SPD ins Hamburger Rathaus (auch nur ein paar Minuten vom Pressehaus entfernt!) einziehen, scheiterte aber an Amtsinhaber Ole von Beust.

Diese Auflistung dürfte reichen, um zu erkennen, dass die deutsche Medienlandschaft gewissermaßen zum Selbstbedienungsladen für die kleine journalistische Elite verkommen ist.

Linke Lobbyismus-Gegner warnen oft vor „revolving doors“, also dem Drehtür-Effekt, wenn Politiker nahtlos in die Wirtschaft und wieder zurück wechseln können. Gerhard Schröder und Roland Koch fanden schnell neue Posten bei Gazprom und Bilfinger – Konzerne mit denen sie während ihrer Amtszeit eng zusammengearbeitet hatten.

Sind denn deutsche Journalisten wirklich besser? Trotz ihres linken Gebarens gleichen sie eher inzestuösen Adligen.

Foto: © Andreas Praefcke (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons