Ein Gastbeitrag von Lennart Kaworski

Ich hatte schon lange das Gefühl, dass es die Medien bei Donald Trump mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen. Am Beispiel seines Beraters Steve Bannon konnte ich dies in einem Beitrag auch anschaulich darstellen. Bei Trump selbst gelang es mir nicht. Zwar hatte ich in einer Recherche viele Puzzleteile aufgedeckt, doch sie wollte einfach nicht zu einem runden Text zusammenpassen. Insofern muss ich hier mein Scheitern eingestehen.

Während der Recherche stieß ich auf einen umfangreichen Text, den ich an dieser Stelle vorstellen will. Er deckt die Methoden der (amerikanischen) Lügenpresse schonungslos auf, deren Methoden sich allerdings auf beiden Seiten des Atlantiks nicht groß unterscheiden.

Der Autor Scott Alexander ist kein Trump-Fan, verteidigt ihn aber trotzdem – eine Seltenheit unter Journalisten. Ihn stört vor allem, dass Trump über keinerlei politische Erfahrung verfügt und daher ungewollt großen Schaden anrichten kann.

Gleichzeitig warnt er aber davor, den künftigen US-Präsidenten als Rassisten zu beschimpfen, denn wer das tut, warnt vor einem Wolf, der gar nicht da ist. Wenn eines Tages ein echter Rassist zum US-Präsidenten gewählt würde, hätten die Medien ihr Pulver bereits verschossen und ihre Rassismusvorwürfe – obwohl zutreffend – würden auf keinerlei Gehör stoßen.

Der Beitrag ist englischsprachig und ungewöhnlich lang – also nichts was hohe Klickzahlen garantieren würde. Ich beschränke mich an dieser Stelle also auf eine kurze Zusammenfassung. Vielleicht wird der eine oder andere danach aber trotzdem das Original lesen wollen.

Fast kaum ein Artikel über Trump kam ohne die Anmerkung aus, dass der führende US-amerikanische Rechtsextreme David Duke zu seiner Wahl aufgerufen habe. Die Wahrheit ist ernüchternd. Duke hatte nur gesagt, dass er es begrüße, dass Trump eine Debatte über Einwanderung angestoßen habe – er müsse aber erst zeigen, dass er als Präsident seine Versprechen auch einhalte. Schon Ronald Reagan habe großspurig Abschiebungen angekündigt, aber nicht umgesetzt. Außerdem hatte der Antisemit Duke den Philosemiten Trump mehrfach wegen seiner jüdischen Kontakte und seiner klaren pro-israelischen Haltung attackiert.

Trump hatte sich im Wahlkampf scharf über kriminelle Mexikaner in den USA geäußert – etwas Mäßigung wäre sicher angebracht gewesen – sich aber zu anderen Anlässen durchaus freundlich über Hispanics geäußert. Das wurde von den Medien zwar nicht berichtet, dennoch konnte Trump mehr Stimmen unter Hispanics gewinnen als Barack Obama 4 Jahre zuvor.

Zwar gibt Alexander zu, dass Trump während seines Wahlkampfs mit den Rassisten flirtete – das aber habe auch Bill Clinton getan, der die hohe afro-amerikanische Kriminalität thematisiert hatte. Genauso hatte Clinton mit ähnlich scharfen Worten wie Trump illegale Einwanderung angesprochen – ihm sei das aber nicht als Rassismus vorgeworfen worden. Im Übrigen hatten Obama und Hillary Clinton 2006 im Senat für den Bau eines Zauns an der mexikanischen Grenze gestimmt – kein allzu großer Unterschied zur oft beschworenen Mauer Trumps. Nur nebenbei sei bemerkt, dass Obama mehr Mexikaner abschieben ließ als Amtsvorgänger Bush.

Auch die These, dass Trump seinen Wahlsieg maßgeblich Rassisten zu verdanken hatte, wird glänzend widerlegt. Alle Rechtsextremen, seien es nun Neonazis, der Ku-Klux-Klan oder die vielbeschworene Alt-Right-Bewegung machten nur einen verschwindend kleinen Teil aller Wähler aus.

Zu guter Letzt zeigt sich Alexander siegessicher. Er nimmt Wetten an und hält dagegen, dass Trump keine Konzentrationslager errichtet, alle Muslime abschiebt, die Homoehe verbietet etc.

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Foto: (c) Presidential transition of Donald Trump website (permission). (GreatAgain.gov) [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons