(David Berger) Der 1970 in der damaligen DDR geborene Marko Martin ist in der literarischen Welt, zumal in der der Reiseliteratur, kein Unbekannter. Zahlreiche seiner Reisebücher sind bei großen renommierten Verlagen erschienen. Er ist nicht nur Mitglied des „PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland“ und genießt derzeit ein Stadtschreiber-Stipendium in der Europäischen Kulturhauptstadt Breslau, sondern schreibt auch regelmäßig für die Reiserubrik der Tageszeitung „Welt“.

Ebendort hat er vor einigen Tagen einen Artikel über „Sextourismus“ veröffentlicht. Dass derzeit das dort thematisierte Reisziel Kuba beim schwulen Sextourismus als der große Geheimtipp gilt („besonders junge Stricher besonders kostengünstig“) ist in der Homosezene kein Geheimnis. Martin, der aus seiner Homosexualität ebenfalls kein Geheimnis macht, hält sich immerhin mit konreten Tipps vornehm zurück.

Aber der Hinweis unter dem Artikel schockierte dann selbst mich, der ansonsten seit vielen Jahren und aus der Innenschau mit den Abgründen der Homoszene gut vertraut ist. Dort lesen wir: „Marko Martin veröffentlichte gerade den Prosaband „Umsteigen in Babylon. Erzählungen 2007–2011“. (Männerschwarm Verlag Hamburg)“

Den meisten Lesern der „Welt“ und vermutlich auch den zuständigen Redakteuren wird der „Männerschwarm“-Verlag kaum ein Begriff sein, aber der anerkannte Autor wird sich doch sicher näher mit dem Programm des Verlags beschäftigt haben, bevor er eines seiner Bücher dort publiziert. Alles andere wäre schlicht fahrlässig.

Ein kurzer Blick auf die Internetseite von „Männerschwarm“ zeigt sehr schnell: Unter dem Etikett ein Verlag für schwule Männer sein zu wollen, betreibt „Männerschwarm“ einen regen Handel mit pädophiler Literatur.

Schwule Bekannte von mir sprechen deshalb nur noch vom „Kinderschwarm-Verlag“. Neben Felix Rexhausens „Berührungen“, die vom Sex des Amnesty-International-Mitbegründers mit jungen Knaben in der Pupertät schwärmen, findet man dort sowohl eine den linksradikalen Pädoaktivisten Peter Schult verklärende Biographie, die dessen Engagement für die „sexuelle Befreiung des Kindes“ rühmt, als auch Bücher von dem kriminellen Autor.

Schult wurde mehrmals wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Freiheitsstrafen verurteilt. Und hatte doch in den 80er Jahren zahlreiche Prominente auf seiner Seite. Alice Schwarzer berichtete 1980 in „Emma“ über ihn:

„Schult beginnt seine Päderasten-Karriere als Heimleiter, der mit Zöglingen sexuelle Beziehungen hat: Setzt sie fort als Legionär, der sich Araber-Knaben kauft (im engsten Sinne des Wortes!); und ist heute ein „linker Held“, der in München Trebegänger von der Straße auffischt, ihnen ein Bett und ein bisschen Emotionalität bietet und dafür Sex erwartet.“

Das sind allerdings nur zwei Beispiele aus dem pädophilen „Schatzkästlein“, das der Verlag da für seine geneigten Leser öffnet und in dem sich nun auch das Buch Martins befindet. „Newspresso“ bemerkte bereits vor einigen Jahren zu einem weiteren eklatanten Buch, das Pädophilie verherrlicht und das der derzeitige Geschäftsführer des Verlags, Joachim Bartolomae eigens vom Französischen ins Deutsche übersetzte:

„Mit der unkritischen Neuausgabe von Tony Duverts Pädophilen-Roman „Als Jonathan starb“ verklärt der schwule Männerschwarm Verlag den Missbrauch von Kindern.

Der ursprünglich 1978 in Frankreich veröffentlichte, 1984 vom Berliner Verlag rosa Winkel ins Deutsche übersetzte Roman „Als Jonathan starb“ verklärt und verharmlost pädophilen Sex. Die sexuellen Handlungen werden zunächst allgemein als „sich lieben“ beschrieben und enden im Roman konkreter mit der Penetration des Anus des Kindes.

Doch der pädophile Autor ging noch weiter: Er schrieb dem Kind den ersten Schritt zu, Sex zu wollen. Dass zusätzlich im Klappentext das Wort Pädophilie kein einziges Mal fällt, kommt nicht nur einer Verharmlosung sehr nahe.“

Der Reisespezialist der Tageszeitung „Welt“ nun tatsächlich mit seinem neuen Buch zwischen Gebrauchsanweisungen dazu, wie man 8-jährigen Jungs ihren Anus öffnet, weil sie es ja doch nicht anders wollen und Männer im Alter von Herrn Martin dazu provozieren?

Da ich den Autor vor einigen Jahren kurz persönlich kennen lernen konnte und er mir sehr gewogen war, viele seiner Bücher geschenkt hat, habe ich bei ihm freundlich nachgefragt. Der gab sich allerdings daraufhin ahnungslos: „Davon höre ich zum ersten Mal; im Programm, das ja u.a. auch Edmund White beinhaltet, habe ich jedenfalls von all dem nichts mitbekommen, werde mich aber kundig machen.“

Und nach meinem drängenden Nachfragen weiter: „Mit Sicherheit lese ich solches Zeug nicht, habe dem Verleger jedoch bereits mit der dringenden Bitte um Info gemailt. Aber wie gesagt: Ich bin schwer haftbar zu machen über Sachen die ich weder kenne noch billige. Soviel Fairnes muss sein, einverstanden?“

Meine Antwort darauf: „Ich mache Sie nicht haftbar für die Pädoliteratur, die dort verlegt wird. Was ich aber nicht glauben kann: Dass man als erfahrener Autor, der einen Ruf zu verlieren hat, ein Buch bei einem Verlag verlegt, ohne sich dessen Programm näher anzusehen.“

Entweder ist Martin bodenlos naiv, was angesichts seiner Karriere eher undenkbar ist – oder er hält seine Leser, Arbeitgeber und Mitmenschen für naiv und dumm.

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Foto (Vorschau): (c) Tktt (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Journalistische Offenlegung: Der Chef des „Männerschwarm“-Verlages, Joachim Bartolomae, hat meine Kritik an dessen pädolastigem Verlagsprogramm bereits vor mehr als einem Jahr auf seine Weise zurückgewiesen:

bartholomae