Transsexuell zu sein ist in Deutschland ein Problem. Die primäre Ursache hierfür sind aber weder konservative noch religiöse Kreise. Das Problem transsexueller Menschen in Deutschland ist die politische Homosexuellenbewegung. Man könnte sagen, dass die homosexuelle Emanzipation auf Kosten der Transsexuellen stattfindet. Ein Gastbeitrag von Trischa Dorner

Die Ursprünge gehen weit in die Geschichte zurück und sind ganz einfach auf den Punkt zu bringen: Transsexuelle passen manchen homosexuellen Polit-Aktivisten nicht in das eigene Konzept. Das hat nicht nur etwas mit einer gewissen Judith Butler zu tun, auf deren Grundlage Transsexuelle mit Transgendern verwechselt werden.

Transsexuelle sind von Transgendern zu differenzieren, weil Geschlecht- und Geschlechtsrolle (Gender) zwei verschiedene Sachverhalte darstellen.

Und Transsexuellenfeindlichkeit ist etwas anderes als Transphobie, weil sie sehr viel spezifischer funktioniert. Sie äußert sich in einer Ablehnung und Verneinung explizit transsexueller Menschen.

Das funktioniert auf der Basis von Diffamierungen, die auf den Punkt bringen, dass Transsexuelle geschlechtlich nicht integer seien. In Folge werden sie medial, sozial, medizinisch und juristisch streng kontrolliert und meistens lächerlich gemacht. Das äußert sich in Alltagstests, Schikanen in der medizinischen Versorgung oder einem strukturellen Berufsverbot vor dem es kaum einen durchsetzbaren Schutz gibt.

Die Stigmatisierung fängt schon in der Kindheit an. Hilfen gibt es für Betroffene kaum. Hetero- und homosexuelle Lebenswelten lehnen transsexuelle Menschen ab.

Nur wenn sich Transsexuelle der klassischen Dyade Hetero- und Homosexualität vollständig unterwerfen und als Betroffene unsichtbar werden, dürfen einige wenige einigermaßen „normal“ leben. Ansonsten ist ihre Ablehnung, Ausgrenzung und grundsätzliche Verletzung vorprogrammiert. Der Staat, und auch der deutsche Staat ist hier oft Helfershelfer. Er schützt nämlich Transsexuelle kaum vor dieser Diskriminierung.

Die Antidiskriminierungsgesetzgebung funktioniert bei Transsexuellen meistens nicht, weil sie mehr auf zahlenmäßig größere, wie etwa homosexuelle Minderheitenproblematiken, abzielt. Aber jede Minderheit hat ihre eigenen Spezifika. Und es hilft hier Transsexuellen nicht, wenn sie nur durch eine homosexuelle Brille gelesen werden, die ihnen mehr schadet als nutzt, weil Transsexuellenfeindlichkeit gerade auch in homosexuellen Kontexten leicht zu finden ist.

Die Ursache hierfür ist eine aggressive politische Homosexuellenbewegung, die mindestens seit den 68er-Protesten gesellschaftliche Räume in Abgrenzung von Heterosexuellen erobert hat. Diese Eroberung von sozialen Räumen bedeutet, dass sich eine komplementäre homosexuelle Welt zur heterosexuellen entwickeln konnte.

Für Homosexuelle war das gut. Heterosexuelle hat dies nur dann gestört, wenn sie homosexuellenfeindlich gewesen sind. Das große Problem ist aber, dass es in dieser von homosexuellen Vordenkern ausgestalteten bipolaren Welt mindestens zwei Verlierer gibt: Neben den Transsexuellen sind es auch die Bisexuellen.

LGBT steht für Lesbisch, Gay (=Schwul), Bisexuell, Transgender und geht sehr leicht von den Lippen. In einer Stadt wie Berlin ist dieses LGBT-Kürzel omnipräsent und ein politischer Ausdruck für eine sogenannte sexuelle Vielfalt. Sie hat nur einen Schönheitsfehler: Die Vielfalt findet nicht statt.

LGBT ist ein aggressives politisches Instrument um per definitionem die Dyade von Heterosexualismus und Homosexualismus in einer minderheitenfeindlichen Form zu erhalten und durchzusetzen.

Das funktioniert, indem die beiden heterosexuellen und homosexuellen Lebenswelten Transsexuelle und Bisexuelle nicht aktiv und eigenständig erlauben zu funktionieren. Das beginnt mit der strukturell angelegten Diskriminierung dieser beiden Minderheiten in den beiden Lebenswelten. Bisexuelle seien keine verlässlichen Lebenspartner, weil sie sich im Zweifel immer für ein anderes Geschlecht entscheiden könnten, sie seien ferner psychisch instabil, wissen nicht, was sie wirklich sind. Teilweise wurde ihnen der Zugang zu LGBT-Räumen verwehrt oder sie werden belächelt.

Transsexuelle Frauen werden in der Form diskriminiert, dass sie keine richtigen Männer oder Frauen seien sondern irgendwas dazwischen oder sie seien eigentlich wahre schwule Männer, die als Frauen leben wollen. Transsexuell zu sein sei eine Art Phantasieprodukt, man könne sich alles irgendwie einreden. Es sei eine furchtbare Krankheit transsexuell zu sein und Betroffene sind nur ein Produkt der modernen Medizin. Eigentlich gäbe es das nicht. Der Mensch ist Mann oder Frau aber nicht transsexuell. Das ist eine Einbildung und künstlich. Sie sollten lernen ihren Körper zu akzeptieren und ihre Homosexualität nicht zu leugnen.

In Folge finden Transsexuelle in LGBT-Lebenswelten nirgendwo statt. Wenn sich transsexuelle Menschen zu ihrer Transsexualität bekennen und zwar in der Form, dass eine transexuelle Frau sagt, sie sei eine Frau, fangen die Probleme an.

Und die Aggressoren sind hier dann meistens homosexuelle Menschen bzw. eine Clique aus politisch bewegten Gender-Szenegurus, Aktivisten, Sexologen und gut vernetzten homosexuellen etablierten Kreisen, die Transsexuelle ablehnen und dekonstruieren.

Transsexuelle haben in Folge der jüngsten LGBT-Politikentwicklung einen Stern bekommen und der Begriff Transsexuell wird wenn irgendwie möglich gestrichen. Stattdessen taucht trans* auf anstatt transsexuell. Transsexuell sei, so die Begründung, als Begriff abzulehnen, weil das “-sexuell” darauf hinweist, dass das kein guter Begriff sei. Er weckt Assoziationen, die „falsch“ seien, weil Transsexualität nichts mit einer Sexualität zu tun habe.

In Wahrheit stört die Existenz von transsexuellen Menschen die Dominanz und Ausschließlichkeiten homosexueller Lebensentwürfe in Abgrenzung zu heterosexuellen. Man fragt sich, wenn das „-sexuell“ so falsch ist, warum es dann in Homo- und Heterosexualität erhalten bleiben kann und hier eine bipolare Vielfalt erwünscht ist, die für transsexuelle und bisexuelle Menschen nicht gelten darf.

Die Ursache ist simpel: transsexuelle und bisexuelle Menschen stören sexuelle Vielfalts- und Gender-Politiken. Beide Minderheiten kommen in dieser Form nicht in homosexuellen Lebenswelten vor. 

In der schwulen Szene kennt man nur Transgender, das sind zum größeren Teil hetero- und homosexuelle Männer oder Frauen, die sich in ihrer sozialen Geschlechtsrolle differenzierter wahrnehmen, die jedoch eigentlich Mann oder Frau bleiben wollen. Bisexuelle Männer werden in der schwul-männlichen Welt als unsichere schwule Männer gelesen, die sich nicht entscheiden wollen.

Beiden Minderheiten wird jedes Selbstbestimmungsrecht, jede Partizipationsmöglichkeit und jede Existenzberechtigung genommen. Und diese Ablehnung findet nicht nur in der homosexuellen Szenerie statt, sie wird auf die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft und die Politik übertragen.

Es reicht schon aus, nur transsexuell zu sein, um ein Politikum darzustellen. Der Transsexuelle muss sich nicht positionieren, er wird von Dritten und gerne auch in Abwesenheit, diskursiv kontrolliert, d.h. im Sinne der heterosexuellen und homosexuellen Ausschließlichkeit erklärt. Das übernehmen besonders oft LGBT-freundliche Parteien.

Manchmal kommt mir diese Situation transsexueller Menschen wie in einer Art Gender-Apartheid vor. Und ich frage mich, warum ausgerechnet homosexuelle Menschen so viel Macht über andere geschlechtliche und sexuelle Minderheiten in unserer Gesellschaft bekommen? 

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Foto: Manuela Schwesig auf dem Berliner CSD 2015 (c) David Berger

13 Kommentare

  1. Jetzt sind also die Schwulen schuld an der Misere von Trans und Inter. So ein Quatsch. Und soviel ich weiß bestehen nicht Schwule oder Heten oder sonstwer auf das Sternchen hinter trans und queer und auf den Begriff Trans (statt transgeschlechtlich/transsexuell) sondern Sprecher der Transgemeinde selbst. Schwule und Lesben sind eher genervt v on den umständlichen gendergerechten Schreib- und Sprachweisen, die besonders Trans fordern.. Aber es stimmt sicher, dass es aktuell ein größeres Problem darstellt trans als schwul oder lesbisch zu sein. Und dass bisexuelle Menschen oft nicht ganz für voll genommen werden ist sicher auch richtig. Aber jetzt ausgerechtnet Homosexuelle für die Probleme von Trans verantworlich zu machen, finde ich geradezu dämlich. Glaubst du im Ernst, das Trans weniger Probleme hätten, wenn homosexuelle Menschen nicht für ihre Rechte gekämpft hätten? Und was wäre die Alternative? lg

  2. Ich würde gar nicht so viel zerreden und mich auch nicht von der Wortwahl oder Meinung anderer über mich abhängig machen.
    Wenn man einfach lebt , egal wie andere meine Art zu leben deklarieren( in eine für sie passende Schublade stecken), desto weniger Macht bekommt der andere über mein Denken und Leben.
    Wenn ich ständig mit Leuten diskutiere, die mir erzählen, in welche Ecke ich gehöre, bleibe ich stehen, ich verfange mich in ihrem ausgelegtem Netz, bleibe in der Diskussion stehen und komme selbst nicht gesund weiter.
    Ich lasse mich von anderen im Leben hindern.
    MACHEN , nicht diskutieren.
    LEBEN, nicht stehen bleiben und diskutieren.
    Wer selbst in Ruhe seiner selbst leben kann und lebt, tritt auch anderen nicht ständig auf die Fußzehen, weil er anders denkt und lebt, als man selbst.
    Und selbst läßt man sich das auch nicht bieten.
    Der andere ist genau so viel wert, wie ich.
    Ich bin genau so viel wert , wie der andere.

  3. […] Gewaltdrohungen und fäkale Beleidigungen, die jeden Respekt vor Andersdenkenden vermissen lassen, sind keine Seltenheit. Besonders häufig werden sie von Männern ausgesprochen, die sich hinter einer falschen Identität als Frauen (Frauendarsteller) verstecken. Und damit auch ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf nehmen, dass sie Frauen und Transsexuelle diskriminieren. […]

  4. Man kann sich seine Probleme auch selber machen. Ich kann mich nicht erinnern, irgendeinen Menschen jemals mit meiner Sexualität konfrontiert zu haben, wieso auch? Wenn jemand mit der Natur hadert, nicht etwa weil er denkt, wieso bin ich so krank geboren, dass ich so leide und bald sterben muss, nein, so wurde er nicht gestraft. Wenn jemand gesund ist und trotzdem sich von der Natur ungerecht behandelt fühlt, dann darf er sein Dilemma alleine lösen.
    Wir haben ein kurzes Zeitfenster, in dem niemand Selbstmord machen muss, weil er als etwas angeprangert wird, was die Gesellschaft für nicht opportun empfindet. Eine herrliche Zeit. Könnte man sich nicht endlich mal zurücknehmen, statt sich selbst als Minderheit immer in den Vordergrund rücken zu wollen?

    • Das Problem, liebe Charlotte, ist, dass „Sexualität“ kein Minderheitenthema ist. Und Fragen von Geschlecht auch nicht. Sexualität bedeutet nämlich so viel wie Geschlechtsentstehung. Sie und andere verwechseln auf Basis dieser schlechten LGBT-Politiken Sexualität mit Erotik. Um letzteres geht es in meinen Artikeln nie.
      Ein weiteres Problem ist, dass man LGBT-Politiken deshalb kritisieren muss, weil sie nicht nur Minderheiten sondern auch Mehrheiten betreffen, da bestimmte Ansätze aus dieser Ideenwelt heute in Form von Schulbildung, Umgang mit Frauen im allgemeinen und ja auch Fragen von Sexualität grundsätzlich geworden sind.
      Noch ein Problem ist, dass evolutionsbiologische Sexualitäts-Begriffe durch eben diese LGBT-Bewegung im eigenen Sinne verformt und neu interpretiert wurden. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, der meinen Artikel allerdings gesprengt hätte.
      Gender-Politiken sind sowas wie die Alchemie unserer Zeit auf deren Grundlage alles was wir von Menschen und Gesellschaften meinen zu wissen für spätere Generation nicht brauchbar sein wird und wir in einer verlorenen Epoche leben.

  5. Das auf dem Foto ist die sogenannte Küstenbarbie, Manuela Schwesig.
    Kristina Schröder ist schon lange nicht mehr Familienministerin.

  6. auf der ganzen linie , bei allen menschen sind wir eben noch nicht so weit dass wir total tollerant zu einander sind und die schwulen sollte man meinen müssten die ersten sein die verstændnis zu einer sexuellen minderheit hat.
    in der vierten fünten dimension kønnen wir nur sein wenn die liebenswürdigkeit zu allen menschen besteht. 🙂

  7. Der Beitrag zeigt eine Vielzahl existierender und im gesellschaftlichen Stillschweigen praktizierte Formen von Diskriminierung durch sozial-strukturell unterschiedliche Gesellschaftsgruppen, wobei den homo-lobbyistischen Standesorganisationen hier seit jeher ein ganz besonderer, durch institutionelle Rahmenbedingungen geförderter Diskriminierungsraum, ausgestattet mit einer besonderen Diskrimininierungsmacht, zukommt.
    „Nur wenn sich Transsexuelle der klassischen Dyade Hetero- und Homosexualität vollständig unterwerfen und als Betroffene unsichtbar werden, dürfen einige wenige einigermaßen „normal“ leben.“ An dieser Aussage mag ja vielleicht etwas wahres dran sein; allerdings klingt mir die „Unterwerfungshandlung“ allzu rational als „Entscheidung“ vollzogen, als daß ich dies so bestätigen könnte!
    Einige Transsexuelle leben postoperativ ein „hetero-normales“ Leben, nicht weil sie „unsichtbar“ leben wollen, sondern weil sie ein solches Leben als das ihnen und ihren Bedürfnissen gemäße Leben anstreben.

  8. Auch wenn das jetzt etwas off topic zur eigentlichen Kernproblematik des Artikels ist, folgende Anmerkung: Man merkt es immer wieder, diese Berufsschwulen und Berufslesben in Politik und Medien, von denen im Artikel berichtet wird, entlarven sich oftmals als intellektuell eingeengte, intolerante, autoritäre Spiesser, die ihre behauptete Diskriminierung nur dazu nutzen ihre Machtpositionen zu sichern. Jeder der sie kritisiert, gilt ja sogleich als homophob, Prinzip „Nazikeule“ eben. Genauso ist es mit Multikulti. In meinem Haus wohnen mehrheitlich Menschen aus ALLEN Teilen der Welt, ferner Osten, naher Osten, Afrika, Nord- und Lateinamerika, auch Balkan, Russland usw. DAS ist Multikulti. Was uns die „Berufsmultikultis“ verkaufen wollen, ist eine arabisch/türkisch dominierte islamische Monokultur, die nichts anderes neben sich duldet, aber sich gut dazu eignet Kritiker als Rassisten zu diffamieren.
    Es ist wie so oft im Leben, diejenigen, die am lautesten schreien, wie weltoffen, tolerant, moralisch, ethisch, liberal und „gut“ sie doch seien, sind in Wirklichkeit das gerade Gegenteil. Aber viele Menschen fallen immer wieder auf Schreihälse und Großmäuler herein und folgen ihnen blind.

    • „Multikulti“ ist nur ein vorübergehender Zustand. Schlussendlich wird sich immer eine Kultur durchsetzen und dann wird es wieder monokulturell. In Duisburg-Marxloh kann man das Endergebnis von „Multikulti“ in Deutschland schon heute besichtigen. Wenn in einem Land „Multikulti“ eingeführt wird, verschwindet schlussendlich immer die ursprüngliche Kultur. Es ist also nichts weiter als eine Kulturvernichtung.

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