Ein Gastbeitrag von Lennart Kaworski

Die Medien versuchen schon seit Monaten Trump in das schlimmst mögliche Licht zu rücken. Seine Position zu illegalen Einwanderern dafür zu benutzen reicht nicht. Erst wenn Trump des Antisemitismus überführt wurde, ist die Meute befriedigt.

Trump ein Antisemit?

Diese These erfuhr große Zustimmung, weil Trump sich nicht von dem Rechtsextremen David Duke distanzieren wollte, der zu seiner Wahl aufgerufen hatte. Wer sich allerdings schlau macht, erfährt, dass Trump in besagtem Fernsehinterview sagte, dass er sich in dieser Frage nicht festlegen wolle, weil Trump ihm unbekannt sei.

Nach dem Grundsatz in dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten) müssen wir diese Aussage auch glauben. Bei genug Anlässen hat Trump unter Beweis gestellt, dass er schlicht auf vielen politischen Feldern absolut ahnungslos ist. Einige Tage später distanzierte er sich dann eindeutig von David Duke, aber zu spät: Die Medien hatten ihr Urteil gefällt und erwähnten die Distanzierung eher nur beiläufig.

Wer erinnert sich eigentlich noch daran, dass die Nation of Islam zur Wahl Obamas aufrief? Immerhin ist die Gruppierung muslimischer Schwarzer nicht nur anti-weiß und homophob, sondern auch antisemitisch.

Es mutet seltsam an, wenn ein Artikel über den „von Trump befeuerten Antisemitismus“ spricht, aber dann nicht ein einziges Beispiel dafür aufzählen kann, wo Trump dies auch tatsächlich getan hat. So wird in dem Artikel erwähnt, dass der Trump-Unterstützer und Pastor Mark Burns den jüdischen Demokraten Bernie Sanders dazu ermunterte, zum Christentum zu konvertieren. Mal abgesehen davon, dass diese Aussage weit entfernt vom Rassenantisemitismus der NSDAP ist und Burns selbst schwarz ist: Was sagt das über Trump aus?

Dieser Pastor hatte sich für die Wahl Trumps ausgesprochen, war aber nicht Mitglied dessen Wahlkampfteams. Ähnlich verhält es sich, wenn jüdische Journalisten, die kritisch über Trump berichten, Morddrohungen aus dem rechtsextremen Lager erhalten. Abscheulich ja, aber Trump hat diese Drohungen nicht ausgesprochen.

Die Wahrheit ist viel simpler und weniger reißerisch. Trumps Tochter Ivanka ist ihrem Mann Jared Kushner zuliebe zum Judentum konvertiert. Der „First Schwiegersohn“ wird vermutlich eine Rolle in der neuen US-Regierung spielen. Zudem hat Trump immer wieder klargestellt, an der Seite Israels zu stehen.

Mittlerweile hat sich die Journaille jedoch auf ein ganz neues Ziel eingeschossen, nämlich Stephen Bannon. Dieser organisierte Trumps Wahlkampf und wird seinen Chef auch im Weißen Haus weiterhin beraten. Bannon ist Chef der konservativen News-Website Breitbart, der nun Antisemitismus vorgeworfen wird.

Aber der Reihe nach: Gründer Andrew Breitbart (2012 an einem Herzinfarkt gestorben) war Jude. Er hatte in Israel (!) erklärt, eine Website zu gründen, mit dem Ziel „der anti-israelischen Ausrichtung der Mainstreammedien“ etwas entgegenzusetzen. Dieses Ziel verfolgt die Website auch nach Breitbarts Tod weiterhin.

Worauf stützen sich die jetzigen Antisemitismus-Vorwürfe dann?

Ein Artikel hatte den Republikaner Bill Kristol als „abtrünnigen Juden“ bezeichnet. Man sollte jedoch bedenken, dass Autor David Horowitz selbst Jude ist. Er bezeichnete Kristol als „abtrünnigen Juden“, weil er sich gegen die Kandidatur Trumps ausgesprochen hatte. Damit, so Horowitz, habe Kristol die Sicherheit Israels gefährdet, schließlich hatte Trump doch eine härtere Gangart gegenüber dem Iran angekündigt.

Ein weiterer Artikel hatte behauptet, dass die „polnisch-jüdisch-amerikanische Elitistin Anne Applebaum mehr Gift und Galle spucke als die Hölle“. Liest man dann den Artikel, findet sich eine bitterböse Abrechnung mit besagter Journalistin, in dem der Autor vor persönlichen Angriffen nicht zurückschreckt.

Dass in seinem Angriff nicht auf antisemitische Untertöne verzichtet, spricht jedoch weniger für Antisemitismus als vielmehr für einen hitzköpfigen Charakter. Und so lässt sich dann im folgenden auch kein Pauschalurteil über alle Juden finden. Kein Wunder: Autor Matthew Tyrman ist Jude.

Weitere Vorwürfe erhebt der jüdische Autor Ben Shapiro (ziemlich viele Juden für eine antisemitische Website, oder etwa nicht?), der mittlerweile ausgestiegen ist. Er hielt den oben erwähnten Horowitz-Artikel für eine Zumutung. Hier darf allerdings die kritische Anmerkung erlaubt sein, dass Shapiro zuvor auf ganz ähnliche Weise israel-kritische Juden als „Juden nur dem Namen nach“ bezeichnet hatte.

Übrig bleibt nur noch der Vorwurf, Bannon habe sich dagegen gesträubt, dass seine Töchter zusammen mit Juden auf eine Schule gingen. Ein harter Vorwurf, der sich auch durch semantische Spielereien nicht mehr kleinreden lässt, wenn er denn stimmt. Wenn.

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass Bannons Ex-Frau diese Vorwürfe im Scheidungskrieg erhob und ihrem Mann auch häusliche Gewalt vorgeworfen hatte. Das aber ist eine Diskussion, die eher an Sarah Engels und Pietro Lombardi erinnert.

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Foto: Stephen Bannon (c) Screenshot youtube