(David Berger) Wir leben nicht nur in einer Zeit, in der die Schubladen von rechts und links, von konservativ und progressiv immer nichtssagender werden. Einstmals wichtige Begriffe werden zudem durch ihren meist ideologiegeleiteten Missbrauch immer unbrauchbarer und nichtssagender.

Mit dazu gehören die Bezeichnungen „Faschismus“ und „Nazi“. Es waren gerade linke Kreise, die immer öfter für alle Personen, die rechts von der SPD ins politische Spektrum einzuordnen sind, den Begriff „Nazi“ verwendet haben.

Dadurch verharmlosen sie nicht nur auf unverantwortliche Weise die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 und relativieren das Verbrechen des Holocausts.

Die linken „Nazi“-Rufer beleidigen zugleich einen wichtige Gruppe, die durch die Nationalsozialisten verfolgt wurde: den konservativen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

In diesem Widerstand nimmt der Adel eine ganz besondere Rolle ein.

Die Tatsache, dass der heftigste und erfolgversprechendste Widerstand gegen Hitler und die Seinen von durch das evangelische und katholische Christentum geprägten Adeligen, teilweise auch überzeugten Monarchisten, kam, ist Historikern zwar lange bekannt.

Aber breitere Kreise wissen davon wenig, der Geschichtsunterricht vermittelt diese Tatsache in den seltensten Fällen. Umso erfreulicher ist es, dass die Buchreihe der Stuttgarter Stauffenberg-Gedächtnisvorlesungen sich dieses Thema angenommen hat.

Ein Bändchen aus der Reihe hat mir besonders imponiert. Die Historikerin Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landsberg beleuchtet darin, – unter dem passenden Titel „Ein konservativer katholischer Christ und bayerischer Monarchist im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ – in einem sehr persönlichen Text das Leben und die Weltsicht ihres Vaters Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg.

Als Mitglied des konservativen Widerstandskreises vom 20. Juli 1944 bezahlte Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg sein Eintreten gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben.

Geprägt war der Weg des im katholischen Würzburg geborenen Adeligen bis zu diesem Opfertod politisch von nationalistischen, föderalistischen und monarchistischen Motiven. Bei leichten Veränderungen in seinem politischen Denken hin zu einer größeren Akzeptanz der Demokratie, war sein Weg in erster Linie immer der eines gläubigen Katholiken.

white_papers_journals_on_history_tradition_and_stateWikipedia fasst kurz zusammen: „Der katholisch-konservativ denkende bayerische Monarchist  gab für die  „Arbeitsstelle für konservatives Schrifttum“ schon während der Weimarer Republik die Zeitschrift „Monarchie – Zeitschrift für deutsche Tradition“ heraus, nach deren Verbot 1934 die Zeitschrift „Weiße Blätter. Zeitschrift für Geschichte, Tradition und Staat“. Die kaum merkliche rechtskonservativ-historische Kritik der Weißen Blätter am Nationalsozialismus nutzte Guttenberg zum Herstellen von Verbindungen und zur Vernetzung der „Deutschen Opposition gegen Hitler“ (Hans Rothfels).“ Zu der unvermeidlichen Ambivalenz, die sich aus diesen Prägungen speist, bezieht die Tochter in ihrer Betrachtung kritisch Stellung und zeichnet neben Widersprüchen auch Gemeinsamkeiten und Parallelen zum Gedankengut der Nationalsozialisten nach. Der Text ist gleichwohl eine Verteidigung des konservativen Widerstandes gegen die fortdauernde Kritik, den Akteuren sei nicht an der Demokratie gelegen gewesen.

Bottlenberg-Landsberg plädiert vielmehr dafür, dem Kampf gegen Unrecht und der Bereitschaft für die Würde des Einzelnen ein Opfer zu zahlen, einen nicht minderen Stellenwert beizumessen. Eine Botschaft, die in den kommenden Jahren erneut eine große Relevanz gewinnen könnte.

Maria Theodora von dem Bottlenberg-Landsberg, Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg – Der konservative Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Reihe: Stuttgarter Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung (Hg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg und der Landesstiftung Baden-Württemberg), € 7,90 (D) | € 8,20 (A)

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